UNSERE AKTUELLE AUSSTELLUNG


    Horia Conrad

  Umbrüche -  Rumänien in den 90ern

HORIA CONRAD – ein leidenschaftlicher Fotograf

 

 

Horia Conrad ist ein leidenschaftlicher Fotograf: „zum sehen geboren“, nimmt er mit einer unermüdlichen Neugier die Welt wahr und stellt sie in seinen Bildern dar.

1955 in Rumänien geboren, seit seinem 13. Lebensjahr nach Deutschland ausgewandert, hat er nach der Wende seine erste Heimat durch zahlreiche Reisen noch einmal kennen gelernt. Seine Begegnungen mit Rumänien wurden in einem eigenartigen Tagebuch festgehalten, in dem Landschaften und Portraits sein Land und seine Landsleute eine visuelle Geschichte  erzählen. So entstand eigentlich die Ausstellung, die im Jahr 2000 das Bukarester Museum des Rumänischen Bauens präsentierte. Dank zwei Anthropologen und einem Maler, dem seligen Horia Bernea, Direktor und spiritus rector dieses außerordentliches locus,  wurde die Persönlichkeit des Fotografen entdeckt und das Novum seiner Werke anerkannt. Die Rumänen haben damals in Conrads Fotografien ihre eigene Realität mit Bewunderung betrachtet. Ein Jahr später hat das Rumänische Kulturinstitut in Berlin dieselbe Ausstellung gezeigt, in einem völlig anderen Kontext, dem der „offenen“ Stadt und der kulturellen Begegnungen. Das Publikum hat diesmal eine wenig – oder unbekannte Wirklichkeit wahrgenommen: ein osteuropäisches Land, das die schlimmste kommunistische Diktatur überlebt hat und jetzt seinen eigenen Weg im neuen Jahrtausend im gemeinsamen Europa sucht.

Mit einem neugierigen Blick hat Horia Conrad Rumänien betrachtet und dort, wie er selbst so schön sagt, längst vertraute Dinge wieder entdeckt. Er verkörpert einigermaßen ein wichtiges Credo der Modernität: Sehen lernen ist Alles, so wie es der deutsche Maler Hans von Marées formuliert hatte, oder das unmittelbare Bild, das die heutige kunstwissenschaftliche Hermeneutik verlangt. Sein Blick ist keineswegs von der fotografischen Technik, oder von kulturellen Begriffen belastet. Die Fotografien stellen einfach die Realität dar, so wie sie er gesehen und wahrgenommen hat, und so entsteht eine künstlerische Wirklichkeit die auf den Betrachter mit einer erstaunlichen Positivität wirkt: die idyllischen  Landschaften mit Schafen, die wunderschönen Sichten aus Maramures, die beeindruckende Atmosphäre des Klosters Bogdana, aber auch die pittoresken Aspekte des heutigen rumänischen Alltags: die Markt, oder die Porträts – Serie, von Fane the Bodybuilder bis zu seinen rumänischen Freunden, dem  Kunstsammler Dan Nasta oder dem Maler Florin Ciubotaru, von dem nur die Hand und den Schatten sichtbar ist. Seine Portraits zeigen Menschen aus verschiedener gesellschaftlichen Schichten, bekannte und berühmte, aber vor allem bescheidene, arme Leute. Alle sind aber Überlebende, die nie resigniert und ihren eigenen Widerstand geleistet haben. In diesem Sinne kann man in diesen Bildern auch eine sozialdokumentarische Dimension entdecken. Der Fotograf hat – bewusst oder unbewusst –  zwei Wurzeln der rumänischen Hoffnung und Kraft dargestellt: das ländliche und das geistige Leben. Das Dorf und das Kloster werden, paradoxerweise, als Zeichen einer nationalen Genesung vorgestellt.

 

1931 schrieb Walter Benjamin in seiner kleinen Geschichte der Fotografie: „hat sich die Fotografie aus den Zusammenhängen herausgegeben... vom physiognomischen, politischen, wissenschaftlichen Interesse sich emanzipiert, so wird sie schöpferisch“. Das Schöpferische an die Fotografie – laut Benjamin – „ist dessen Überantwortung an die Mode. Die Welt ist schön, genau das ist ihre Devise“.

Ja, die Welt ist schön in Horia Conrads Bildern, oder, um seine eigenen Worte zu zitieren: “die Erde – simpel und immer und überall beeindruckend“. „Hier ist nichts exotisches, es ist das irdische Paradies...“ notierte er als er die Schafe in einem kleinen Dorf an der Schwarzmeerkünste entdeckte.

Irgendwo, in Europa hat der Künstler ein Stück Erde und viele Menschen in seiner ersten Heimat mit einem ominösen Sehen betrachtet; der Betrachter selbst „ist (auch) im Bild“ und nimmt mit derselben Freude und Interesse diese fotografischen Impressionen wahr.

 

Dr. Ruxandra Demetrescu

 

 

 

Eröffnung der Ausstellung:
am Freitag, den 6. Juli um 19.30 Uhr


Ausstellungsdauer: 6. Juli 2007 bis 6. September 2007

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